Sie haben ein Vermögen für einen mehrstöckigen Kratzbaum aus Sisal und Pappe ausgegeben, ihn an einer gut sichtbaren Stelle aufgestellt und die Katze mit einem Leckerli trainiert.
Doch nach einer Woche erwischen Sie sie dabei, wie sie die Tapete in der Ecke genüsslich abreißt, wie ein -Korrespondent berichtet.
Hand aufs Herz: Sie scheint es aus Bosheit zu tun. In Wirklichkeit folgt die Katze einer strengen Hierarchie von Vorlieben, die Sie einfach nicht beachtet haben.
Nicht nur die Fähigkeit, die Krallen zu schärfen, ist für eine Katze wichtig, sondern auch die Beschaffenheit der Oberfläche. Sisal, Teppich, Holz, Tapete – das sind alles unterschiedliche Materialien, die die alte Hornschicht der Kralle auf unterschiedliche Weise entfernen und eine andere visuelle und taktile Spur hinterlassen.
Was für Sie angenehm ist, muss nicht unbedingt auch für die Katze angenehm sein und andersherum. Ein weiterer Faktor ist der Standort.
Eine Katze schärft ihre Krallen nicht irgendwo, sondern an strategischen Stellen: am Eingang, am Fenster, in der Nähe Ihres Lieblingssessels. Dies ist eine Reviermarkierung und ein visuelles Signal für andere Tiere.
Ihr Kratzbaum kann in einer toten Zone stehen, die die Katze nicht als wichtig für ihren Besitzanspruch ansieht. Auch der Geruch spielt eine Rolle.
Die Polsterung der Möbel riecht nach Ihnen, was bedeutet, dass der Ort bereits einen hohen sozialen Wert hat. Die Katze, die das Sofa zerkratzt, vermischt ihren Geruch mit dem Ihren, wodurch ein gemeinsamer, familiärer Geruch entsteht.
Ein Kratzbaum hingegen riecht nur so lange nach einem Geschäft, bis Sie ihn mit Ihrem Duft oder Katzenminze einreiben. Manchmal ist ein Kratzbaum in Bezug auf seine Höhe oder Stabilität einfach nicht bequem.
Die Katze sollte in der Lage sein, sich vollständig auszustrecken, ihre Krallen einzuschlagen und mit Mühe zu ziehen. Wenn die Struktur wackelig oder zu niedrig ist, wird der Instinkt nicht befriedigt und die Katze sucht nach einem sichereren Halt.
Schimpfen Sie nicht mit Ihrer Katze, wenn sie Möbel beschädigt – das ist ein natürlicher Instinkt, kein Verbrechen. Analysieren Sie stattdessen ihre Vorlieben: Welches Material wählt sie?
In welcher Höhe? An welcher Stelle? Besorgen Sie einen Kratzbaum, der ihrem Lieblingsopfer möglichst ähnlich sieht, und stellen Sie ihn ebenfalls dort auf.
Wenn das Sofa bereits markiert ist, schützen Sie es mit einer Polsterung oder einem speziellen Spray mit Zitrusduft (Katzen mögen das nicht), aber bieten Sie unbedingt eine Alternative in der Nähe an. Sie können den neuen Kratzbaum sogar mit einem gebrauchten Lappen abreiben, damit er nach Zuhause riecht.
Und denken Sie daran: Eine Katze übt keine Vergeltung und richtet keinen Schaden an. Sie lebt einfach nach ihren eigenen Regeln.
Ihre Aufgabe ist es nicht, sie umzugestalten, sondern eine Umgebung zu schaffen, in der ihre Bedürfnisse befriedigt werden, ohne dass Ihre Einrichtung darunter leidet. Das ist möglich, wenn Sie das Problem mit Respekt und ein wenig Katzenlogik angehen.
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